Stolpersteine in Münster: Max & Sonja Kutner

Stolpersteine gegen das Vergessen – Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

                                                                                                                                                   Foto: Münster Tube

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig in Münster, verlegt mit dem Verein „Spuren Finden e.V.“: Max Kutner und Tochter Sonja, Kanalstraße 35.

Max Kutner wurde am 17. Juni 1888 in Stubendorf/ Groß – Strehlitz geboren und seine Tochter Sonja Kutner erblickte am 13. Mai 1922 in Münster das Licht der Welt. Beide wurden Ende 1943 oder Anfang 1944 im deutschen KZ Riga-Strasdenhof /Lettland von Nazis erschossen.

*Max Kutner war Kaufmann, Fabrikant. Teilhaber der 1850 in Burgsteinfurt gegründeten ersten westfälischen „Schirmfabrik S. Bendix“, die seit dem 1.1.1925 in Münster, Bahnhofstraße 48, etabliert war. Von Prenzlau kommend, wohnte er 1920 schon einmal vorübergehend in Münster (Salzstraße. 2), zog dann ca. 1925 von Burgsteinfurt erneut in die Stadt und wohnte Kanalstraße 35 (bis 1938) sowie Margaretenstraße 23 (1940).

                                                                                                         Kanalstraße in Münster. Foto: Münster Tube

Ende 1935/Anfang 1936 beteiligte er sich an einer „Sammlung für die Eintopfspende“, die von der „Jüdischen Winterhilfe“ der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden“ in MS veranstaltet wurde. Bereits seit 1935 plante sein Schwager und Teilhaber Werner Probstein seine Emigration, da die Geschäfte aufgrund des Boykotts jüd. Unternehmen durch die NS-Herrschaft rückläufig waren. Im Juni/August 1938 erfolgte die „Arisierung“. Während eines Aufenthaltes im Sommer 1938 in den Niederlanden erkrankte seine Frau schwer und wurde in Zutphen stationär behandelt. Zur Deckung der Krankenhauskosten wurden ihm die erforderlichen 98 hfl bewilligt.

Nach seiner Rückkehr nach Münster betrieb er seinerseits die Auswanderung seiner Familie nach Palästina auf „Kapitallistenzertifikat“. Da sein Vermögen nicht mehr den erforderlichen 1.000 Palästina-Pfund entsprach, wollte seine Schwiegermutter den Restbetrag zusteuern. Zwei Monate später (September 1938) zog er seinen Antrag vermutlich wegen der Krankheit seiner Frau, der langen Wartezeit und der fehlenden finanziellen Mittel wieder zurück. Das lange Krankenlager seiner Frau, die im November 1939 verstarb, zehrte das Restvermögen auf. Da ihm keine Barmittel mehr zur Verfügung standen, bezahlte seine Schwiegermutter am 1.10.1939 die Einkommenssteuer für das Jahr 1938 von ihrem Sperrkonto. Auch nach Erlass des NS-Mietgesetzes, das ein Zusammenleben von Juden mit Nichtjuden in einem Haus unterbinden sollte, wohnte er 1940 noch Margaretenstr. 23, dann verzog er zur Salzstraße. 31. Im „Judenhaus“ Hermannstr. 44,  in das er anschließend einziehen musste, bewohnte er für 40 RM Miete zusammen mit Paul Schönthal eineinhalb Zimmer.

Ehemaliger Gertrudenhof in Münster – (Sammelpunkt vor den Deportationen 1941/42), Warendorfer Straße, Ecke Kaiser-Wilhelm-Ring. Zuvor war der Gertrudenhof  Kino, Versammlungsraum und Biergarten. Er wurde am 11. Dezember 1941 von der Gestapo beschlagnahmt, um Münsters BürgerInnen jüdischen Glaubens dort vor ihrer Deportation in Richtung Osten zusammenzutreiben. Ziel war das deutsche Ghetto Riga (Lettland), das einem Vernichtungslager gleichkam. Foto: Stadtarchiv Münster.

Max Kutner plante im April 1940 immer noch, mit seiner Tochter in die USA auszureisen. Dazu hatte er bereits am 2.12.1938 die Schiffskarten erhalten. Am 2.1.1940 wurde sein Vermögen, das aus unbekanntem Grund erheblich gestiegen war, zur Sicherung der Reichsfluchtsteuer gesperrt. Er beantragte einen monatlichen Freibetrag von 250 RM zum Lebensunterhalt, u.a. bezahlte er davon Spanischunterricht. Das Umzugsgut wurde am 6.6.1940 zollamtlich verpackt und bei einem Spediteur gelagert. Mit finanzieller Unterstützung durch die Schwiegermutter sollten Fracht- und Auswanderungskosten gedeckt werden, auf ein Visum wartete er jedoch vergeblich. Am 4.6.1941 wurde sein Umzugsgut „nach Abnahme von 6 unverletzten Zollplomben wieder in den freien Verkehr gesetzt“, da keine Möglichkeit zur Ausfuhr bestand. Weil er im September 1941 gebrauchte Kleider an abgeschobene Juden (aus MS ?) ins „Generalgouvernement“ versandt hatte, ohne vorher die Genehmigung der Devisenstelle einzuholen, wurde er wegen angeblicher Devisenhinterziehung zur Oberfinanzdirektion vorgeladen und verwarnt. Am 13.12.1941 wurde er mit seiner Tochter und seiner 71jährigen Schwiegermutter Hedwig Probstein von Münster ins Ghetto Riga deportiert. Nach Auflösung des Ghettos Ende 1943 wurde er zusammen mit diesen ins KZ Riga-Strasdenhof verbracht. Nach dem Bericht eines Überlebenden sollen sie dort bei einer Erschießungsaktion, die alle über 30jährigen betraf, umgebracht worden sein. 1951 wurde Max Kutner für tot erklärt.

                                                                            Ghetto Riga. Foto: United States Holocaust Memorial Museum

Seine Tochter Sonja Kutner verbrachte die ersten beiden Lebensjahre in Burgsteinfurt, wo ihre Eltern bis ca. 1925 wohnten. Von Ostern 1933 bis zum 1. Januar 1936 war sie Schülerin der Anette-Schule; nachher war sie „beurlaubt“, obwohl sie noch schulpflichtig war.. Seit dem 1. September 1937 besuchte sie in Prag das „Viktoria – College“. Den Transfer des monatlichen Schulgeldes von 175 RM in die Tschechoslowakei musste der Vater pro Quartal beantragen. Sonja Kutner wohnte nach ihr Rückkehr nach Münster wieder bei ihren Eltern, Margaretenstraße 23 ( 11. Juli 1938). Machte 1939/1940 im jüdischen Säuglings- und Kleinkinderheim in Berlin – Niederschönhausen eine Ausbildung als Säuglingspflegerin. Zur Beerdigung ihrer Mutter Anna-Charlotte Kutner (geb. Probstein) kam sie für vier Tage nach Münster, am 23. September 1940 kehrte sie endgültig zurück und wohnte mit ihrer Großmutter im „Judenhaus“ Prinz – Eugen – Straße 39. Die Auswanderungshoffnung im Frühjahr 1940 ließ sich nicht verwirklichen.

Vom 13. September bis zum 6. November 1941 hielt sie sich in Hannover auf. Laut einer von jüdischen Familien geforderten Vermögenserklärung besaß sie zum Zeitpunkt der Deportation ein Guthaben von 3,50 RM. Zusammen mit ihrem Vater und der 71-jährigen Großmutter wurde sie am 13. Dezember 1941 von Münster in das deutsche Ghetto/KZ Riga (Lettland) deportiert.

Nach Auflösung des Ghettos Ende 1943 gelangte sie mit diesen ins KZ Riga – Strasdenhof. Obwohl sie nicht zu den über 30- jährigen zählte, soll sie laut Zeugenaussage bei einer Erschießungsaktion ermordet worden sein. Sonja Kutner wurde 1951 für tot erklärt.

                                                                                        Sonja Kutner (1937)  Foto: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster  2001

Vom 13. September bis zum 6. November 1941 hielt sie sich in Hannover auf. Laut einer von jüdischen Familien geforderten Vermögenserklärung besaß sie zum Zeitpunkt der Deportation ein Guthaben von 3,50 RM. Zusammen mit ihrem Vater und der 71-jährigen Großmutter wurde sie am 13. Dezember 1941 von Münster in das deutsche Ghetto/KZ Riga (Lettland) deportiert.

Ehemaliger Güterbahnhof Münster. Von hier starteten die Deportationen aus Münster in Richtung Osten. Foto: Münster Tube.

Nach Auflösung des Ghettos Ende 1943 gelangte sie mit diesen ins KZ Riga – Strasdenhof. Obwohl sie nicht zu den über 30- jährigen zählte, soll sie laut Zeugenaussage bei einer Erschießungsaktion ermordet worden sein. Sonja Kutner wurde 1951 für tot erklärt.

*Quelle: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918 – 1945. Teil I Biographisches Lexikon, Münster 2001 

Reise in den Tod: NS – Deportationszug von Münster nach Riga (Lettland) am 13. 12. 1941

Projekt „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig sowie Verein „Spuren Finden e.V.“ in Münster

Ein Kommentar zu „Stolpersteine in Münster: Max & Sonja Kutner

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s