Münster: Grüne lehnen Großmarkt am Hafen ab

CDU, SPD und FDP laut Grüne für Bauruine verantwortlich

Münster – Gute Gründe gegen den Großmarkt: „Wir lehnen den Großmarkt am Hansaring – unabhängig von dessen Namen – nach wie vor aus stadtplanerischen, verkehrs-, wirtschafts- und klimapolitischen Gründen ab. Die Pläne für den Hafenmarkt sind alter Wein in nicht mehr neuen Schläuchen“, so die Grünen Ratsmitglieder Anne Herbermann (Bahnhof/Pluggendorf), Robin Korte (Herz-Jesu) und Carsten Peters (Schützenhof/Hafen):

Grüne Münster                                                                                                                                                   Foto: Münster Tube 

„Was im Hansaviertel tatsächlich benötigt wird, ist deutlich mehr Wohnraum und weniger PKW-Verkehr. Wir werden uns daher weiterhin mit den Hafeninitiativen und engagierten Anwohner*innen für eine viertelverträgliche Alternativplanung an Stelle des Hafenmarkts einsetzen. Wir wollen die im Bau befindlichen Gebäude fertigstellen, die Tiefgarage als Quartiersgarage für das Viertel nutzen und auf der für das E-Center verplanten Fläche stattdessen preiswerten Wohnraum realisieren und Kitas sowie Grünflächen für das Viertel schaffen“, so die drei Grünen.

Mit Blick auf die Bauruine, die seit dem gerichtlich angeordneten Baustopp am Hansaring zu sehen ist, findet Carsten Peters klare Worte, wer aus Sicht der Grünen die Verantwortung trägt: „Verursacht haben die aktuelle Situation – Zaun, Stacheldraht und Bauruine – CDU, SPD und FDP, die trotz besseren Wissens, massivem Widerstand aus dem Viertel sowie deutlichen gerichtlichen Beschlüssen und Hinweisen das Projekt immer wieder vorangetrieben haben – anstatt viertelverträgliche Lösungen als Alternative zu entwickeln!“.

Zusätzliche Verkehrsbelastung Gesundheitsgefahr für Anwohner*innen

Die GRÜNEN kritisieren das Vorhaben Hafenmarkt auch weiterhin grundsätzlich: „In einen bereits von Stau, Durchgangsverkehr und Parkplatzsuchen geprägten Bereich der Stadt wird mit dem Hafencenter/Hafenmarkt ein weiterer Magnet für Autoverkehr installiert, der noch mehr Autos für Großeinkäufe anlockt. Das geht ganz klar zulasten der Lebensqualität im Viertel und der Gesundheit der Anwohner*innen: Die von der Verwaltung errechneten Lärmpegel an den Fassaden im Umfeld liegen durchaus im Rahmen einer möglichen Abwägung zur Zumutbarkeit, sind allerdings in Teilen gesundheitsgefährlich,“ so Robin Korte.

„Das ist in der Tat ein starkes Stück: Wissend um die Gesundheitsgefährdung für Anwohnerinnen und Anwohner ist das Vorhaben beschlossen worden. Die an der Zufahrt zum Hafenmarkt geplante Ampel wird zudem dazu führen, dass sich der Verkehr in beide Richtungen staut und zusätzliche Abgase produziert,“ macht Verkehrspolitiker Peters deutlich.

„Wir Grünen wollen einen vielfältigen, kleinteiligen Einzelhandel. Ein Koloss wie der Hafenmarkt würde die Einzelhandelsstruktur des Viertels und damit dessen Charakter massiv gefährden“, ergänzt Anne Herbermann.

Völlig unverständlich ist, warum die Stadtverwaltung angesichts der selbst ermittelten Zahlen keine Alternativen plant. Sie muss eine Planung vorschlagen und vorantreiben, die nicht immer mehr Autos und LKW in das belastete Viertel holt – hier sind autoarme Nutzungen gefordert. Was eine wachsende Stadt tatsächlich braucht: Wohnungen und diese möglichst preiswert und dazu viel Grün für frische Luft und echte Aufenthaltsqualität.

Auto-orientierter Großmarkt in Widerspruch zum Klimaschutz

„In derselben Ratssitzung, in der zuletzt über das Hafencenter entschieden wurde, wurden mehrere große und bedeutsame Vorlagen zum Klimaschutz beschlossen. Wie lassen sich solche Ausführungen wie im Begründungsteil der Vorlage eigentlich mit den beschlossenen Klimazielen vereinbaren? „Gar nicht, denn sie stehen diesen komplett entgegen“, resümiert Peters.

Die Verkehrsbelastung des Hansarings beträgt laut Verwaltung aktuell durchschnittlich 16.000 Fahrten. Der Hafenmarkt selbst löst rund 4000 Fahrzeuge täglich aus, die Zusatzbelastung für den Hansaring soll jedoch nur 500 bis 800 Fahrten betragen, die Differenz soll der “Sowieso-Verkehr“ sein. Im Klartext: „Was nicht passt, soll passend gemacht werden,“ so die GRÜNEN. Zur Verkehrsuntersuchung zum Masterplan Hafen hatte GRÜN und CDU daher auch noch im Sommer 2019 gemeinsam festgestellt, dass man die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung lediglich zur Kenntnis nimmt, als notwendige Konsequenz daraus jedoch abgeleitet, dass alles getan werden muss, um den Rad- und Fußverkehr sowie den ÖPNV zu priorisieren.

Hintergrund:

Rentabel ist das vorliegende Konzept des Hafencenters nur, wenn es Verkehre und Kundschaft von außerhalb anzieht, insbesondere dann, wenn das Angebot teurer wird als bislang vorgesehen. Den großräumigen Kofferraum- Einkauf, der natürlich weiterhin stattfindet, findet sich im übrigens bereits am Albersloher Weg. Und so wird sich wohl die Geschichte dieses Projektes wiederholen: Der Bebauungsplan wird ausgelegt werden, es wird erneut zahlreiche Eingaben und Protest geben. Ob es wieder 560 sein werden oder mehr wird man dann sehen. Und die nächste rechtliche Überprüfung ist ebenfalls angekündigt.

Rechtlich gesehen bleibt die Fläche Einzelhandelsverkaufsfläche, egal mit welchem Etikett oder Farbe. Im Rahmen der Geschichte des Projektes änderte sich dann ja auch die rechtliche Bezeichnung mehrfach: Zunächst ein Nahversorger, dann ein Stadtbereichszentrum – auch noch gemäß der aktuellen Planungslage. Nach der aktuellen Stellungnahme der SPD nun wieder angeblich ein Nahversorger. Immer so wie es gerade passt – obwohl rechtlich von erheblicher Bedeutung.

Jetzt sollen die aktualisierten Pläne zum Hafenmarkt erneut ausgelegt werden. Der Rat entscheidet darüber am 17. März.

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