Münster: Gedenken an Nazi – Opfer Wilhelm Kusserow

Dienstag, 27.April 2021, ab 17:00, an der Erinnerungsstele mit Gedenktafel an Wilhelm Kusserow auf der Grünfläche hinter der WWU – Hautklinik, Von-Esmarch-Straße 58, 48149 Münster. Die Veranstaltung findet unter Einhaltung der gültigen Abstandsregelungen statt. Es besteht zudem auch die Pflicht, am Veranstaltungsort Coronavirus-Schutzmasken zu tragen.

Wilhelm Kusserow Münster_=1

Erinnerungsstele mit Gedenktafel an Wilhelm Kusserow auf der Grünfläche hinter der heutigen Hautklinik der WWU Münster, Von-Esmarch-Straße. Dort befand sich auf einem Feld hinter dem damaligen Standortlazarett Münster die Richtstätte von Wilhelm Kusserow. Die Gedenktafel wurde am 28. April 2002 enthüllt. Foto: Münster Tube

Die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Münster und die Friedenskooperative Münster wollen am 27. April 2021, an 17.00 Uhr, dem Nazi – Opfer Wilhelm Kusserow gedenken. An diesem Tag, vor genau 81 Jahren, wurde er wegen Kriegsdienstverweigerung von einem Erschießungskommando erschossen.

Jeder Krieg ist ein Verbrechen gegen die Menschheit. Die Kriegsdienstverweigerung ist dagegen ein Menschenrecht und dient dem Frieden.“, so Jewgenij Arefiev, ehrenamtlicher Geschäftsführer/Sprecher der DFG – VK Basisgruppe Münster.

                    

                                                   Foto: United States Holocaust Memorial Museum

1939 erhielt Wilhelm Kusserow seine Einberufung zum Wehrdienst. Er verweigerte als Zeuge Jehovas aus Gewissensgründen den Kriegsdienst. Dafür wurde Wilhelm Kusserow durch das Kriegsgericht in Münster zum Tode verurteilt und am 27. April 1940 standrechtlich erschossen. Die Hinrichtungsstätte befand sich auf einem Feld hinter dem damaligen Standortlazarett Münster. Jetzt befindet sich dort eine Grünfläche der Universitäts-Hautklinik, Von-Esmarch-Straße.
An der Stelle seiner Erschießung erinnert seit dem 28. April .2002 eine Metall-Stele mit Inschriftentafel an Wilhelm Kusserow.

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Er starb als Wehrdienstverweigerer. / Auf diesem Gelände wurde / Wilhelm Kusserow / geb. 4.9.1914 / mit 25 Jahren als Zeuge Jehovas am 27. April 1940  hingerichtet. / „Man muss Gott mehr Gehorchen / als Menschen“ / Apostelgeschichte 5, 29. Foto: Münster Tube.

Wilhelm Kusserow wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges am 4. September 1914 in Bochum geboren  und wurde nach dem deutschen Kaiser Wilhelm II. patriotisch benannt. Er war lutherisch erzogen worden, aber seine Eltern wurden nach dem Krieg Zeugen Jehovas und erzogen ihre Kinder nach ihrem Glauben. Nach 1931 wurde ihr Zuhause in der ländlichen Stadt Bad Lippspringe als Zentrum der Zeugen Jehovas bekannt.

1933/39: Die Kusserows wurden von der NS-Polizei genauestens untersucht, weil Zeugen Jehovas glaubten, dass ihre höchste Loyalität Gott gegenüber und nicht Hitler gegenüber stand. Das Haus der Kusserows wurde wiederholt durchsucht und ein Teil ihrer religiösen Literatur wurde konfisziert. Sie boten anderen Zeugen Zuflucht und hielten illegal Bibelstudiensitzungen in ihrer Wohnung ab, selbst nachdem Wilhelms Vater zweimal festgenommen worden war.

Heereslazarett Münster
Das Standort-Lazarett Münster wurde zwischen 1936 und 1938 erbaut. Der Architekt war Hans Ostermann. 1938 konnten die Gebäude an der von-Esmarch-Straße ihrer Bestimmung zugeführt werden. Mit der Mobilmachung wurde das Lazarett zum Reservelazarett Münster  umgegliedert. Fotos (1939): Stadtarchiv Münster.

1940: Deutschland befand sich seit September 1939 im Krieg, und Wilhelm war festgenommen worden, weil er die Aufnahme in die deutsche Armee abgelehnt hatte. Er hielt sich streng an das Gebot: „Du sollst nicht töten.“ Für Wilhelm stand Gottes Gesetz vor Hitlers Gesetzen. Der Richter und der Staatsanwalt versuchten, seine Meinung zu ändern. Sie boten an, seinen Hinrichtungsbefehl aufzuheben, wenn er seinen „bösen und zerstörerischen“ Glauben aufgab. Wilhelm lehnte ab. Das Gericht verurteilte ihn zum Tode. Nach seinem Verteidiger „starb Wilhelm nach seinen Überzeugungen“.

Münster: Zur Geschichte der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure in der Nazizeit. Rede von Bernd Drücke (29.03.2013) an der Gedenktafel von Wilhelm Kusserow.

Purple Triangles (Lila Winkel) 1991

Filmbeitrag aus der britischen Fernsehsendung „The Human Factor“ über die Verfolgungsgeschichte der Familie Kusserow aus Bad Lippspringe. Alle Familienglieder der Familie Kusserow sind Zeugen Jehovas, wie die Bibelforscher seit 1931 genannt werden. Die Familie Kusserow hatte insgesamt 11 Kinder, davon starb ein Kind während eines Badeunfalles. Während der NS-Zeit waren alle noch lebenden Familienmitglieder entweder inhaftiert oder im Erziehungsheim. Gemeinsam war die Familie 48 Jahre inhaftiert. Wilhelm und Wolfgang Kusserow verweigerten den Kriegsdienst. Wilhelm wurde erschossen und Wolfgang wurde enthauptet. Karl-Heinz Kusserow war wegen seiner Kriegsdienstverweigerung in den KZ´s Sachsenhausen und Dachau inhaftiert.

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