OECD-Studie Weiterbildung: GEW: Mehr Unterstützung für Weiterbildung notwendig

Münster, 28. April 2021 – Die Bundesrepublik muss nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Bedürfnisse Geringqualifizierter stärker in den Blick nehmen. Viele Arbeitsplätze, so die Untersuchung der OECD, stünden vor einem hohen Automatisierungsrisiko. Wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) plädiert sie für ein bundesweites Weiterbildungsgesetz.

GEW_Münster_056                                                          Ulrich Thoden und Carsten Peters. Fotos: Münster Tube. Grafik: GEW.

Die GEW sieht sich durch die OECD-Studie in ihren Forderungen bestätigt. „Von der Weiterbildung wird zu Recht viel erwartet: Sie soll gesellschaftliche Prozesse der Individualisierung und Pluralisierung sowie des Strukturwandels und der Digitalisierung unterstützen, sie soll Fragen einer älter werdenden Gesellschaft lösen und die Zivilgesellschaft mitentwickeln. Politik kümmert sich jedoch viel zu wenig darum, die Rahmenbedingungen sicherzustellen, damit Weiterbildung diese Aufgaben stemmen kann“, macht der GEW-Stadtverbandsvorsitzende Ulrich Thoden deutlich.

Damit die Infrastruktur der Weiterbildung nicht weiter erodiert brauchen wir jetzt bundesweit verbindliche Regelungen, eine bessere Finanzierung und Absicherung vorhandener Strukturen und Arbeitsplätze der in der Weiterbildung Beschäftigten. Die Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, um gemeinsam mehr Anstrengungen unternehmen zu können, um Arbeitnehmer*innen mit geringem Einkommen erreichen und weiterhelfen zu können“, ergänzt GEW- Geschäftsführer Carsten Peters.

Arbeitswelt im Wandel

Im OECD-Vergleich hat Deutschland den Angaben zufolge mit 18 Prozent einen recht großen Anteil von Arbeitsplätzen mit hohem Automatisierungsrisiko. Diese Jobs könnten künftig wegfallen, weil eine Maschine die Tätigkeiten übernimmt. Weitere 36 Prozent der Arbeitsplätze werden sich in den kommenden 15 Jahren voraussichtlich stark verändern. Beschäftigte in diesen Berufen sowie Erwachsene mit geringen Grundkompetenzen und niedrigen Einkommen werden laut Studie jedoch kaum von Weiterbildungsangeboten erreicht. 

Die Autorinnen und Autoren der Studie plädieren daher dafür, die bisher durch föderale Strukturen, hohe Eigenverantwortung und starken Wettbewerb zwischen den Anbietern geprägte Weiterbildungslandschaft durch ein Weiterbildungsgesetz zu reformieren. Wichtige Stichworte dabei sind der OECD zufolge unter anderem Mindestqualitätsstandards für Anbieter, ein einheitlicher Anspruch auf Bildungsurlaub und bessere finanzielle Fördermöglichkeiten. Um Menschen mit geringen Grundkompetenzen mehr zu fördern, müssten Bund und Länder einen kostenlosen oder kostengünstigen sowie praxisnahen Zugang zu Lernangeboten schaffen.

Sechs Vorschläge der Gewerkschaften

Die GEW engagiert sich seit Jahren für ein Bundesweiterbildungsgesetz, das über die Nationale Weiterbildungsstrategie von Bund, Ländern, Wirtschaft, Gewerkschaften und Bundesagentur für Arbeit hinausgeht. Sie kritisiert, besonders die staatliche Erwachsenen- und Weiterbildung sei chronisch unterfinanziert. Die politische, allgemeine und kulturelle Weiterbildung werde bisher vollkommen vernachlässigt. Zudem müssten die Lehrkräfte in der Weiterbildung endlich ihrer Aufgabe und Qualifikation angemessen beschäftigt und bezahlt werden.

GEW, ver.di und IG Metall haben ihre Forderungen unter der Überschrift „Weiterbildung reformieren: Sechs Vorschläge, die wirklich helfen“ auf 52 Seiten ausführlich erläutert. 

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