Münster: OB Markus Lewe besuchte Paul-Wulf-Skulptur auf dem Servatiiplatz

Lewe: „Gesellschaft braucht hin und wieder kreative Zumutungen, damit sich etwas bewegt.“

Münster – Paul Wulf wurde 1938 als jugendliches Heimkind von einem NS-Arzt zwangssterilisiert. Seit 2007 erinnert die von der Künstlerin Silke Wagner und dem Umweltzentrum-Archiv-Verein für die skulptur.projekte geschaffene Paul-Wulf-Skulptur an den Kampf des NS-Opfers. Die Skulptur ist neben der Internetseite uwz-archiv.de ein Teil des Projekts „Münsters Geschichte von unten“. Es ist bundesweit das erste Kunstwerk, das an die 350.000 zwangssterilisierten NS-Opfer erinnert.

Für seine antifaschistische Aufklärungsarbeit wurde Wulf 1991 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Am 2. Mai wäre der 1999 verstorbene Anarchist 100 Jahre alt geworden. Deshalb fand an seinem Geburtstag am Servatiiplatz eine coronakonforme Gedenk-Matinee statt, mit Redebeiträgen und Livemusik von Pit Budde und Contraviento & amigos.

Paul Wulf Bundesverdienstkreuz                                                                                    Bundesverdienstkreuz für Paul Wulf Foto: Ralf Emmerich.

Die beiden prominentesten Unterstützer, der Liedermacher Konstantin Wecker und „Tatort-Kommissar“ Axel Prahl, schickten entsprechende Botschaften: Axel Prahl eine Videobotschaft und Konstantin Wecker einen hervorragenden Text, der auf der Veranstaltung von Norbert Eilinghoff (Freundeskreis Paul Wulf) verlesen wurde. Der Freundeskreis Paul Wulf hofft, dass beide im kommenden Jahr bei einer größeren Veranstaltung für Paul Wulf auf den Servatiiplatz dabei sein werden. Aufgrund der Corona – Pandemie hatten sie von einer Beteiligung zum 100. Geburtstag abgesehen

Münster: Gedenkfeier zum 100. Geburtstag von Paul Wulf – Norbert Eilinghoff liest Konstantin Wecker

Gerne hätte auch Münsters Oberbürgermeister an der Veranstaltung teilgenommen. Da Markus Lewe am 2. Mai aber nicht teilnehmen konnte, traf er sich nun mit Dr. Bernd Drücke vom Freundeskreis Paul Wulf zu einem Gespräch an der Skulptur. Lewe bedankte sich für die langjährige Aufklärungsarbeit der Künstlerin Silke Wagner und des Freundeskreises Paul Wulf. Es gebe viele Skulpturen, an denen man achtlos vorbeigehe, aber diese Skulptur sei ein Beispiel, „da sind die Leute stehengeblieben. Einige haben die Skulptur bewundernd zur Kenntnis genommen, andere haben sich über die Schriften auf der Skulptur aufgeregt.“ Durch Aufregung entstehe Interaktion, so der Oberbürgermeister. Die Skulptur trage dazu bei, dass man sich auseinandersetzt mit den Herausforderungen der Vergangenheit, der Gegenwart und somit auch der Zukunft.

Lewe_Drücke_03(v.l.): Markus Lewe (OB Münster) und Dr. Bernd Drücke (Freundeskreis Paul Wulf) mit dem kürzlich im Unrast – Verlag erschienenen Buch über Paul Wulf unter dem Titel: Ich lehre euch Gedächtnis. Foto: Münster Tube.

2007 war der CDU-Politiker innerhalb seiner Partei einer der wenigen Fürsprecher der beliebten Skulptur. Lewe: „Gesellschaft braucht hin und wieder kreative Zumutungen, damit sich etwas bewegt.“

Lewe bedankte sich für das Buch „Ich lehre euch Gedächtnis“, das der Freundeskreis druckfrisch zum 100. Geburtstag im Unrast Verlag Münster herausgegeben hat. „Ein starkes, sauber recherchiertes Buch. Meine Unterstützung haben Sie weiterhin.“

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Dr. Bernd Drücke regte im Gespräch mit Lewe an, dass an allen umbenannten Straßen in Münster mit einem Zusatzschild die Geschichte der Straße skizziert werden soll. „Ähnlich wie am Paul-Wulf-Weg, wo auf einem Schild die Geschichten des NS-Täters Jötten und des NS-Opfers Wulf erzählt werden.“ Drücke hatte 2007 die 2012 erfolgte Umbenennung des nach einem NS-Rassenhygieniker benannten Jöttenwegs in Paul-Wulf-Weg und das Anbringen eines Informationsschildes angeregt. Lewe versprach, die Anregungen aufzunehmen.

Paul-Wulf-Weg Münster                                                                                                                                  Foto: Freundeskreis Paul Wulf.

Bernd Drücke war zu Lebzeiten seit den 80er Jahren gut mit Paul Wulf befreundet und referiert als Wulfs Erinnerungspate im Auftrag der Bezirksregierung in den Schulen. „Unser Freundeskreis wünscht sich, dass Paul Wulf zum Ehrenbürger Münsters erklärt wird und Schulen nach ihm benannt werden“, betonte Bernd Drücke

Wulf_Drücke                                  (v.l.): Paul Wulf und Bernd Drücke in den 80er Jahren in Münster. Foto: Sabine Hoppe

Videos von der Matinée am 2. Mai 2021:

Videos über Paul Wulf:

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