Münster: Aufruf (kurdisch/deutsch) zum Protest am 4. Mai gegen den Einmarsch der irakischen Armee in Shingal

Münster. Fatma (Vorsitzende „Demokratisch – Kurdisches Gesellschaftszentrum“ Münster e.V., DKGZ) und Ekrem Atalan (Vorstandsmitglied  „Demokratisch – Kurdisches Gesellschaftszentrum“ Münster e.V., DKGZ) rufen zur Teilnahme an einer weiteren Protestkundgebung am 4. Mai gegen den Einmarsch der irakischen Armee am 2. Mai 2022, in das kurdisch-ezidische Şengal /Nordirak (Südkurdistan) auf.

Die Veranstaltung vor dem Hauptbahnhof Münster beginnt um 18:30 Uhr. Veranstaltet wird diese Protestaktion vom „Demokratisch Kurdisches Gesellschaftszentrum“ Münster e.V. (DKGZ), der „Kurdische Studierendengemeinde“ und vom „Deutsch-Kurdischer Freundeskreis“ Senden e.V. (DKFK). Bereits am 2. Mai hatte wegen des Angriffes auf Shingal eine spontane Kundgebung stattgefunden. Die Protestaktion richtet sich zudem aber auch gegen die Invasion des Nato-Partners Türkei in Nordirak und Nordsyrien/Rojava.

Hier die Redebeiträge der Protestkundgebung vom 2. Mai 2022 in Münster:

Kurdische Aktivist*innen aus Münster berichten, dass der Angriff am 2. Mai 2022 unter vorheriger Absprache der Türkei und der südkurdischen Demokratischen Partei Kurdistans (PDK) und mit Zustimmung der USA erfolgt wäre.

Die vom „Barzani-Clan“ beherrschte Demokratische Partei Kurdistans (Partiya Demokrata Kurdistanê, PDK) wurde im Jahr 1946 in Südkurdistan gegründet. Seitdem stellt sie ein großes Hindernis für eine Demokratisierung und Befreiung in allen Teilen Kurdistans dar. Heute arbeitet die PDK mit dem faschistischen türkischen Regime im Vorgehen gegen die PKK, die Ezid*innen in der Şengal-Region und die Rojava-Revolution zusammen.

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Die irakische Regierung plant offenbar, die Selbstverwaltung von Şengal zu zerschlagen. Dazu hatte sie sich in einem Abkommen mit der von der Türkei kontrollierten südkurdischen PDK am 20. Oktober 2020 bereit erklärt. Die Macht in der Region soll zwischen PDK und irakischer Regierung aufgeteilt werden. Bisher scheiterte die Umsetzung dieses unter türkischer Regie zustande gekommenen Abkommens am entschlossenen Widerstand der Bevölkerung“, schreibt die kurdische Nachrichtenagentur Firat News (ANF) zum aktuellen Angriff der irakischen Armee.

Nachdem es bereits am Sonntag bei einem Angriff der irakischen Armee auf Stellungen des Asayîşa Êzîdxanê (Sicherheitskräfte der Selbstverwaltung) gekommen war, eskalierte die Lage erneut. Wie die Nachrichtenagentur RojNews meldet, hat ein neuer irakischer Angriff auf Stellungen der Sicherheitskräfte und der Widerstandseinheiten Şengals (YBŞ) begonnen. Demnach kommt es in Sinunê zu Schusswechseln mit der irakischen Armee. Am Sonntagabend war es ebenfalls in Sinunê zu einem kurzen Gefecht gekommen. Den Sicherheitskräften war es gelungen, die irakischen Truppen zur Umkehr zu zwingen.

Zuvor hatte am Sonntag die irakische Armee damit begonnen, in Dîgurê, Sinunê und Xanesor Kontrollpunkte des Asayîşa Êzîdxanê zu umstellen. Die irakische Regierung plant offenbar, die Selbstverwaltung von Şengal zu zerschlagen. Dazu hatte sie sich in einem Abkommen mit der von der Türkei kontrollierten südkurdischen PDK am 20. Oktober 2020 bereit erklärt. Die Macht in der Region soll zwischen PDK und irakischer Regierung aufgeteilt werden. Bisher scheiterte die Umsetzung dieses unter türkischer Regie zustande gekommenen Abkommens am entschlossenen Widerstand der Bevölkerung.

In der ezîdischen Stadt Şengal verübte der sogenannte Islamische Staat (IS) im August 2014 einen Genozid an der Bevölkerung. Nach den Angaben der Vereinten Nationen wurden dabei mindesten 5.000 Bewohner:innen der Stadt ermordet. Mehrere Tausend Frauen und Kinder wurden zudem entführt und als Sexsklavinnen gehalten. Ein noch größeres Ausmaß des Genozids konnte damals nur durch das Einschreiten der bewaffneten Kräfte der PKK und der nordsyrischen YPG- und YPJ-Einheiten verhindert werden.

Die Kapitulation von Şengal durch die KDP an ISIS ist immer noch nicht aus dem Gedächtnis der ezidischen Kurd*innen gelöscht. Deshalb übt sie gemeinsam mit dem türkischen Staat Druck auf den Irak aus, Şengal zu besetzen.

Diese kämpften einen Fluchtkorridor nach Rojava/Nordsyrien frei, über den die Bevölkerung in Schutz gebracht werden konnte. Nach der Befreiung der Stadt vom IS baute die Bevölkerung Selbstverteidigungseinheiten und eine Selbstverwaltungsstruktur auf, auch um sich vor zukünftigen Angriffen verteidigen zu können. Seitdem wird die Selbstverwaltung allerdings immer wieder von der Türkei, der südkurdischen Demokratischen Partei Kurdistans (PDK) und der irakischen Zentralregierung angegriffen. Bei der aktuellen Eskalation durch die irakische Armee handelt es sich um die schwerwiegendsten Angriffe auf Şengal seit Ausrufung der Selbstverwaltung.

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