Münster: Interview mit Joshua – geflüchtet vor russischen Raketenangriffen aus Charkiw /Ukraine

Münster. Die Unterstützer*innen des Integrationsrates der Stadt Münster, Christine Strathmann und Emily Njenga führten am 7. Mai 2022, ein Gespräch mit dem im Februar dieses Jahres vor russischen Raketenangriffen aus der ukrainischen Universitätsstadt Charkiw geflüchteten Arzt Joshua. Einige Jahre zuvor musste bereits vor der Terrororganisation Boko Haram aus seinem Heimatland Nigeria flüchten.

Nach seiner Ankunft in der Ukraine hat Joshua an der Karasin-Universität in Charkiw Medizin studiert und als Bester seines Jahrgangs mit Auszeichnung abgeschlossen. Diese Stadt ist nach Kiew mit rund 1,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Mit 42 Universitäten und Hochschulen ist sie das nach Kiew bedeutendste Wissenschafts- und Bildungszentrum des Landes.

Aufgrund des Angriffskrieges der russischen Armee auf Veranlassung von Putin in der Ukraine musste Joshua im Februar unter akuter Lebensgefahr die Flucht ergreifen. Nachdem in Charkiw eine Rakete im Nachbargebäude seiner Wohnung eingeschlagen war, entschied er sich und seine Kommilitonen binnen weniger Sekunden zur Flucht. Leider verloren dabei drei von ihnen ihr Leben im Kreuzfeuer. Joshua konnte sich in einen Wald retten und nach drei Tagen in einem U-Bahn-Tunnel gelang es ihm, nach Polen zu flüchten und anschließend nach Deutschland zu fahren.

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Nach dem Gespräch beteiligte sich Joshua noch in Münster an einer Demo unter dem Motto: „Kein Mensch ist illEGAL“, zu der Seebrücke Münster, Odak Kulturzentrum e.V. Münster und FAU Münster aufgerufen hatten. Foto: Lothar Hill (Münster Tube), Emily Njenga, Christine Strathmann und Joshua. Foto: Lothar Hill.

Alle Ukrainer*innen erhalten in diesem Land aktuell begrüßenswerter Weise Asyl. Bedauerlicherweise sieht die Situation für Menschen ohne dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung aus der Ukraine anders aus. Es wird mit zweierlei Maß gemessen.

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Joshua im Gespräch am Rande der Kundgebung in Münster mit Sevim Ates (Vorstand Odak Kulturzentrum e.V. Münster) und Dr. Georgios Tsakalidis (Rat und Integrationsrat der Stadt Münster (Foto: Lothar Hill).

Selbst als ausgebildeter Arzt erhält er bedauerlicherweise nicht die gleichen Chancen, wie andere aus der Ukraine sie bekommen. Eine Klinik am Niederrhein würde ihn sogar gerne sofort einstellen. Jedoch ohne die notwendigen Aufenthaltspapiere ist es nicht möglich.

Spontaner Redebeitrag von Joshua auf einer Demo am 7. Mai 2022 in Münster unter dem Motto: „Kein Mensch ist illEGAL“

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