Nie wieder Faschismus! – Vor 84 Jahren brannten in Deutschland die Synagogen – auch in Münster

U.a. berichten im Video die Zeitzeugen Rainer Schepper (+2021 in Münster) und Hans Kaufmann (+2016 in Stockholm), über die damaligen Ereignisse in Münster.

Münster. Vor 84 Jahren, am 9. und 10. November 1938, hatten die Nazi-Machthaber ein teuflisches Massenpogrom gegen alle Deutschen, die Juden oder jüdischer Herkunft waren, organisiert. Ihre Gotteshäuser wurden unter Aufsicht der Feuerwehr niedergebrannt, ihre Wohnungen und Geschäfte verwüstet und geplündert, ohne dass die Polizei einschritt. In dieser Pogromnacht (auch bekannt als Novemberpogrom) wurden mehrere hundert Juden ermordet, mindestens 300 nahmen sich das Leben.

Ulla Geissler von der VVN-BdA Münster beleuchtet im Video das Schicksal der jüdischen Familie Meyer aus Münster während der Nazi-Schreckensherrschaft. Elfriede und Max Meyer wurden in Theresienstadt und Auschwitz von den Nazis ermordet. Zudem kommen im Video auch die Zeitzeugen Rainer Schepper (+2021 in Münster) und Hans Kaufmann (+2016 in Stockholm) kurz zu Wort.

Historischen Angaben zufolge wurden über 1200 Bethäuser und Synagogen zerstört, etwa 7.000 im jüdischen Besitz befindliche Geschäfte zerstört oder schwer beschädigt. In Münster wurde das Gotteshaus der jüdischen Gemeinde von braunem Mob in Brand gesetzt und zerstört. Viele Geschäfte und Wohnhäuser von deutschen Bürger*innen jüdischen Glaubens fielen, wie überall in Deutschland, auch in Münster den tobenden faschistischen Banden zum Opfer. 

Elfriede und Max Meyer           Elfriede und Max Meyer (1938). Quelle Foto: Sammlung Möllenhoff/Schlautmann-Overmeyer

* In Münster hatte die NSDAP eine Kundgebung aus Anlass des Putsches von 1923 veranstaltet, bei der sich Einheiten von SS, SA und Hitlerjugend auf dem Prinzipalmarkt versammelten. Im Anschluss trafen sich zahlreiche SA-Männer in verschiedenen Kneipen der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt waren viele von ihnen nicht mehr in Uniform, sondern hatten Zivilkleidung angelegt. Nach Mitternacht erhielten sie die Aufforderung, die Synagoge in Brand zu setzen und jüdische Geschäfte zu plündern. In der Klosterstraße hinderten sie die herbeigerufene Feuerwehr daran, die Synagoge zu löschen. Erst als der Brand so stark wurde, dass die angrenzenden Gebäude bedroht waren, konnte mit den Löscharbeiten begonnen werden. *Quelle: Stadt Münster.

Reichspogromnacht Münster   SA-Mob vor der zerstörten Synagoge an der Klosterstraße in Münster. Foto: Stadtarchiv Münster

Auch noch am Mittag des 10.11.1938 wurden Juden blutig geschlagen und verhaftet. Münsteraner Bürger ignorierten den Boykott oder machten sogar mit und plünderten jüdische Geschäfte zur eigenen Bereicherung. Darauf folgte eine panikartige Massenflucht, Zehntausende verließen Deutschland in den nächsten Monaten, bis der Kriegsbeginn eine geregelte Ausreise fast unmöglich machte.

Von den im Jahre 1933 ursprünglich 708 Angehörigen der jüdischen Gemeinde wurden 299 Menschen in Konzentrationslager deportiert, von denen nur 24 überlebten. Insgesamt 280 jüdische Bürger verließen Münster und emigrierten ins Ausland, sieben begingen Selbstmord und vier überlebten den Nationalsozialismus in Münster im Untergrund. Abzüglich der 77 Personen, die in diesem Zeitraum eines natürlichen Todes starben, verbleiben 42 Menschen, deren Schicksal ungeklärt geblieben ist.

Jüdische Gemeinde Münster 67

Als das jüdische Leben in Münster erlosch

Über die Deportation der letzten münsterländischen Juden in das „Altersghetto“ Theresienstadt am 31. Juli 1942 LESEN

Zeitzeugengespräch mit Holocaust-Überlebender Erna de Vries beim DGB Münster

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s