Wilhelm Kusserow, Zeuge Jehovas – 1940 in Münster von Nazis hingerichtet

                                                                      Fotos: Münster Tube/ United States Holocaust Memorial Museum

1939 erhielt Wilhelm Kusserow seine Einberufung zum Wehrdienst. Er verweigerte als Zeuge Jehovas aus Gewissensgründen den Kriegsdienst. Dafür wurde Wilhelm Kusserow durch das Kriegsgericht in Münster zum Tode verurteilt und am 27. April 1940 standrechtlich erschossen. Die Hinrichtungsstätte befand sich auf einem Feld hinter dem damaligen Standortlazarett Münster. Jetzt beindet sich dort eine Grünfläche der Universitäts-Hautklinik, Von-Esmarch-Straße.
An der Stelle seiner Erschießung erinnert seit dem 28.04.2002 eine Metall-Stele mit Inschriftentafel an Wilhelm Kusserow.
Inschrift:
Er starb als Wehrdienstverweigerer. / Auf diesem Gelände wurde / Wilhelm Kusserow / geb. 4.9.1914 / mit 25 Jahren als Zeuge Jehovas / am 27. April 1940 / hingerichtet. / „Man muß Gott mehr Gehorchen / als Menschen“ / Apostelgeschichte 5, 29

                                                                                                                                               Foto: Münster Tube

Wilhelm Kusserow wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges am 4. September 1914 in Bochum geboren  und wurde nach dem deutschen Kaiser Wilhelm II. patriotisch benannt. Er war lutherisch erzogen worden, aber seine Eltern wurden nach dem Krieg Zeugen Jehovas und erzogen ihre Kinder nach ihrem Glauben. Nach 1931 wurde ihr Zuhause in der ländlichen Stadt Bad Lippspringe als Zentrum der Zeugen Jehovas bekannt.

1933/39: Die Kusserows wurden von der NS-Polizei genauestens untersucht, weil Zeugen Jehovas glaubten, dass ihre höchste Loyalität Gott gegenüber und nicht Hitler gegenüber stand. Das Haus der Kusserows wurde wiederholt durchsucht und ein Teil ihrer religiösen Literatur wurde konfisziert. Sie boten anderen Zeugen Zuflucht und hielten illegal Bibelstudiensitzungen in ihrer Wohnung ab, selbst nachdem Wilhelms Vater zweimal festgenommen worden war.

1940: Deutschland befand sich seit September 1939 im Krieg, und Wilhelm war festgenommen worden, weil er die Aufnahme in die deutsche Armee abgelehnt hatte. Er hielt sich streng an das Gebot: „Du sollst nicht töten.“ Für Wilhelm stand Gottes Gesetz vor Hitlers Gesetzen. Der Richter und der Staatsanwalt versuchten, seine Meinung zu ändern. Sie boten an, seinen Hinrichtungsbefehl aufzuheben, wenn er seinen „bösen und zerstörerischen“ Glauben aufgab. Wilhelm lehnte ab. Das Gericht verurteilte ihn zum Tode.
Nach seinem Verteidiger „starb Wilhelm nach seinen Überzeugungen“. Er wurde am 27. April 1940 in Münster von einem Erschießungskommando hingerichtet.

Purple Triangles (Lila Winkel) 1991

Filmbeitrag aus der britischen Fernsehsendung „The Human Factor“ über die Verfolgungsgeschichte der Familie Kusserow aus Bad Lippspringe. Alle Familienglieder der Familie Kusserow sind Zeugen Jehovas, wie die Bibelforscher seit 1931 genannt werden. Die Familie Kusserow hatte insgesamt 11 Kinder, davon starb ein Kind während eines Badeunfalles. Während der NS-Zeit waren alle noch lebenden Familienmitglieder entweder inhaftiert oder im Erziehungsheim. Gemeinsam war die Familie 48 Jahre inhaftiert. Wilhelm und Wolfgang Kusserow verweigerten den Kriegsdienst. Wilhelm wurde erschossen und Wolfgang wurde enthauptet. Karl-Heinz Kusserow war wegen seiner Kriegsdienstverweigerung in den KZ´s Sachsenhausen und Dachau inhaftiert.

Münster: Zur Geschichte der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure in der Nazizeit. Rede von Bernd Drücke

29.03.2013, Friedensradschlag Münster – Friedensradtour durch Münster Ostern 2013 „Der Krieg beginnt hier – Von der Standortarmee zur Interventionsarmee“ mit den FriedensaktivistInnen Hugo Elkemann, Bernd Drücke (GWR), Kathrin Vogler (MdB Die Linke), Detlef Lorber u.a. An der Stelle, wo 1940 Wilhelm Kusserow im Alter von 25 Jahren wegen Kriegsdienstverweigerung als Zeuge Jehovas ermordet wurde, erinnert der Soziologe Dr. Bernd Drücke in seinem (hier leider nur unvollständig dokumentierten) Redebeitrag an die Geschichte der Kriegsdienstverweigerung (KDV) in Deutschland. „Seit es Kriege gibt, gibt es auch Menschen, die das massenhafte Morden sabotieren, die zivil ungehorsam sind und den Kriegsdienst verweigern. Lange war die KDV in Deutschland nur durch Desertion möglich.“ Der Redakteur der Graswurzelrevolution (Monatszeitung für eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft) erklärt auch, warum unter den mehr als 8.000 deutschen Kriegsdienstverweigerern in der NS-Zeit mehr als 6.000 „Zeugen Jehovas“ waren. Von den Verweigerern starben etwa 1.200, davon 635 an den Haftbedingungen. Viele wurden ohne Gerichtsurteil in Haft ermordet; etwa 250 aufgrund eines Gerichtsurteils wegen ihrer Kriegsdienstverweigerung.

Zum Gedenken an Wilhelm Kusserow

                                                                    Foto: United States Holocaust Memorial Museum

Geboren am 4. September 1914 in Bochum, ermordet am 27.April 1940 in Münster (PDF)

Die Verfolgung der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus

Jehovah’s Witnesses in Germany: From the 1890s to the 1930s

The Nazi regime targeted Jehovah’s Witnesses for persecution because they refused, out of religious conviction, to swear loyalty to a worldly government or to serve in its armed forces. Jehovah’s Witnesses also engaged in missionary activity to win adherents for the faith. The Nazis perceived the refusal to commit to the state and efforts to proselytize as overtly political and subversive acts. Unlike Jews and Roma, whom the Nazis targeted for perceived racial reasons, Jehovah’s Witnesses had the option to avoid persecution and personal harm by submitting to state authority and serving in the armed forces. Since such submission would violate their religious beliefs, the vast majority of Jehovah’s Witnesses refused to abandon their faith even in the face of persecution, torture in concentration camps, or death.  WEITERLESEN

                           Familie Kusserow in Bad Lippspringe  Foto: United States Holocaust Memorial Museum

 

Quellen: Radio Übrigens, Stadt Münster, United States Holocaust Memorial Museum

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