Münster: Friedensinitiativen gedachten Nazi-Opfer Wilhelm Kusserow

Münster – Die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Münster und die Friedenskooperative Münster hatten zu einer Gedenkveranstaltung am 27. April 2021 für den Zeugen Jehovas Wilhelm Kusserow eingeladen, an der Stelle, wo er genau 81 Jahre zuvor wegen Kriegsdienstverweigerung aus religiösen Gründen, erschossen wurde. Die Hinrichtungsstätte befand sich auf einem Feld hinter dem damaligen Standortlazarett Münster. Jetzt befindet sich dort eine Grünfläche der Universitäts-Hautklinik. An dem Ort seiner Erschießung erinnert seit dem 28.April 2002 eine Metall-Stele mit Inschriftentafel an Wilhelm Kusserow. Redner waren Hugo Elkemann (Friedenskooperative Münster) und Jewgenij Arefiev (DFG-VK Münster).

wilhelm-kuserow MuensterFotos: Gedenktafel: Münster Tube, Wilhelm Kusserow: United States Holocaust Memorial Museum

Wilhelm Kusserow wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges am 4. September 1914 in Bochum geboren  und wurde nach dem deutschen Kaiser Wilhelm II. patriotisch benannt. Er war lutherisch erzogen worden, aber seine Eltern wurden nach dem Krieg Zeugen Jehovas und erzogen ihre Kinder nach ihrem Glauben. Nach 1931 wurde ihr Zuhause in der ländlichen Stadt Bad Lippspringe als Zentrum der Zeugen Jehovas bekannt.

1933/39: Die Kusserows wurden von der NS-Polizei genauestens untersucht, weil Zeugen Jehovas glaubten, dass ihre höchste Loyalität Gott gegenüber und nicht Hitler gegenüber stand. Das Haus der Kusserows wurde wiederholt durchsucht und ein Teil ihrer religiösen Literatur wurde konfisziert. Sie boten anderen Zeugen Zuflucht und hielten illegal Bibelstudiensitzungen in ihrer Wohnung ab, selbst nachdem Wilhelms Vater zweimal festgenommen worden war.

Hugo Elkemann (FRIKO Münster) liest zum Abschluss der Gedenkkundgebung eine Episode aus dem Buch „Beim Häuten der Zwiebel“ von Günter Grass. Es geht hier um die bewegende Geschichte eines Arbeitsdienst-Kameraden von Günter Grass, einem Zeugen Jehovas, der sich der Schießausbildung widersetzte, indem er, mit dem Satz „Wir tun so was nicht“, den Karabiner einfach fallen ließ und diese Prozedur Tag für Tag wiederholte, bis man ihn ins KZ brachte.

1940: Deutschland befand sich seit September 1939 im Krieg, und Wilhelm war festgenommen worden, weil er die Aufnahme in die deutsche Armee abgelehnt hatte. Er hielt sich streng an das Gebot: „Du sollst nicht töten.“ Für Wilhelm stand Gottes Gesetz vor Hitlers Gesetzen. Der Richter und der Staatsanwalt versuchten, seine Meinung zu ändern. Sie boten an, seinen Hinrichtungsbefehl aufzuheben, wenn er seinen „bösen und zerstörerischen“ Glauben aufgab. Wilhelm lehnte ab. Das Gericht verurteilte ihn zum Tode.
Nach seinem Verteidiger „starb Wilhelm nach seinen Überzeugungen“. Er wurde am 27. April 1940 in Münster von einem Erschießungskommando hingerichtet.

Heereslazarett MünsterDas Standort-Lazarett Münster wurde zwischen 1936 und 1938 erbaut. Der Architekt war Hans Ostermann. 1938 konnten die Gebäude an der von-Esmarch-Straße ihrer Bestimmung zugeführt werden. Mit der Mobilmachung wurde das Lazarett zum Reservelazarett Münster  umgegliedert. Die britischen Militärs nutzten das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1992 als Militärhospital. Fotos (1939): Stadtarchiv Münster.

Purple Triangles (Lila Winkel) 1991

Filmbeitrag aus der britischen Fernsehsendung „The Human Factor“ über die Verfolgungsgeschichte der Familie Kusserow aus Bad Lippspringe. Alle Familienglieder der Familie Kusserow sind Zeugen Jehovas, wie die Bibelforscher seit 1931 genannt werden. Die Familie Kusserow hatte insgesamt 11 Kinder, davon starb ein Kind während eines Badeunfalles. Während der NS-Zeit waren alle noch lebenden Familienmitglieder entweder inhaftiert oder im Erziehungsheim. Gemeinsam war die Familie 48 Jahre inhaftiert. Wilhelm und Wolfgang Kusserow verweigerten den Kriegsdienst. Wilhelm wurde erschossen und Wolfgang wurde enthauptet. Karl-Heinz Kusserow war wegen seiner Kriegsdienstverweigerung in den KZ´s Sachsenhausen und Dachau inhaftiert.

Münster: Zur Geschichte der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure in der Nazizeit. Rede von Bernd Drücke (29. März 2013)

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